Viele Frauen mit Endometriose haben über Jahre einen Satz im Kopf, der sie durchhalten lässt: Spätestens mit den Wechseljahren ist das vorbei. Und dann kommen die Wechseljahre, die Periode wird unregelmäßig oder bleibt ganz weg, und die Schmerzen im Unterleib sind trotzdem noch da. Manchmal werden sie sogar stärker, und bei manchen Frauen taucht eine Endometriose überhaupt erst in dieser Lebensphase auf.
Was dahintersteckt und warum die Wechseljahre für eine Endometriose eine so unberechenbare Zeit sein können, schauen wir uns in diesem Artikel an. Dabei geht es auch darum, warum deine Hormone hier besonders genau betrachtet werden sollten und was du selbst für dich tun kannst.
Was ist Endometriose?
Bei einer Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an Stellen, an denen es nicht hingehört, zum Beispiel an den Eierstöcken, am Bauchfell, am Darm oder an der Blase. Dieses Gewebe reagiert wie die Schleimhaut in der Gebärmutter auf deine Hormone, vor allem auf Östrogen. Es kann sich entzünden, bluten und mit der Zeit Verklebungen und Narben bilden, und genau daher kommen die Schmerzen, die viele Frauen jahrelang begleiten.
Betroffen ist etwa jede zehnte Frau im fruchtbaren Alter, und trotzdem vergehen bis zur Diagnose oft viele Jahre. Starke Regelschmerzen gelten lange als „normal“, und viele Frauen hören Sätze wie „Stell dich nicht so an“, bis jemand genauer hinschaut.
Wie sich Endometriose bemerkbar macht
Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich, und nicht jede Frau hat alle davon. Typisch sind:
- starke Regelschmerzen, die mit normalen Krämpfen wenig zu tun haben
- Schmerzen im Unterleib, auch zwischen den Perioden
- Schmerzen beim Sex, weil Herde und Verklebungen bei Bewegung reizen
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen, wenn Darm oder Blase betroffen sind
- Blähungen, Verstopfung oder Durchfall, die oft für einen Reizdarm gehalten werden
- Erschöpfung, weil dauerhafte Schmerzen und Entzündung viel Kraft kosten
Gerade die Erschöpfung und die Bauchbeschwerden überschneiden sich stark mit dem, was viele Frauen in den Wechseljahren ohnehin erleben, und deshalb wird es ab Mitte 40 oft noch schwieriger, die Beschwerden richtig einzuordnen.
Endometriose in den Wechseljahren: Was sich verändert
Weil Endometriose vom Östrogen abhängt, liegt die Hoffnung nahe, dass sie mit den Wechseljahren einfach ausklingt. Bei vielen Frauen werden die Beschwerden nach der Menopause tatsächlich deutlich leiser. Der Weg dorthin verläuft aber selten gerade, und genau das erleben viele Frauen in der Perimenopause.
In dieser Phase sinkt zuerst das Progesteron, oft schon einige Jahre vor der letzten Periode. Das Östrogen dagegen schwankt stark und kann zwischendurch sogar höher liegen als früher. Wenn das ausgleichende Progesteron fehlt und das Östrogen gleichzeitig Spitzen hat, kann das die Endometrioseherde zusätzlich anregen, sodass die Schmerzen in der Perimenopause eine Zeit lang stärker werden, statt nachzulassen.
Die Wechseljahre sind für eine Endometriose kein Schalter, der umgelegt wird, sondern eine lange Übergangszeit, in der die Hormone noch einmal kräftig mitreden.
Heike Ferg, Hormoncoach für Frauen in den Wechseljahren
Endometriose nach den Wechseljahren: Warum sie aktiv bleiben kann
Auch nach der letzten Periode hört dein Körper nicht auf, Östrogen zu bilden. Er bildet es nur auf anderen Wegen, vor allem im Fettgewebe, wo aus Vorstufen Östron entsteht. Dazu kommt etwas, das lange unterschätzt wurde: Endometrioseherde können selbst Östrogen herstellen, weil sie das dafür nötige Enzym, die Aromatase, in sich tragen. Sie versorgen sich also ein Stück weit selbst, auch wenn die Eierstöcke ihre Arbeit längst eingestellt haben.
Das erklärt, warum manche Frauen auch mit 60 oder 70 noch Beschwerden haben, und warum eine Endometriose in seltenen Fällen überhaupt erst nach der Menopause entdeckt wird. Häufig steckt dahinter ein Herd, der schon lange da war und erst jetzt Beschwerden macht oder bei einer Untersuchung aus einem anderen Grund auffällt.
Was das für dich bedeutet
Wenn du eine Endometriose hast oder hattest, gehört sie in jedes Gespräch über deine Hormone in den Wechseljahren. Bei einer Endometriose kommt es nämlich besonders darauf an, wie Östrogen und Progesteron zueinander stehen, und dieses Verhältnis ist bei jeder Frau anders.
Deshalb schaue ich mir nie nur einen einzelnen Wert an. Mit einem Speicheltest sehen wir, wo du hormonell gerade stehst, und in meiner Hormonberatung ordnen wir deine Werte gemeinsam ein, immer mit Blick auf deine Vorgeschichte. Das ist eine Beratung und keine Therapie, und sie gibt dir eine gute Grundlage für deine eigene Entscheidung.
Unterleibsschmerzen in den Wechseljahren: Wann du sie abklären lassen solltest
Nicht jeder Schmerz im Unterleib ist Endometriose, und gerade in den Wechseljahren kommen viele andere Ursachen infrage, vom Reizdarm über Myome bis zu Blasenbeschwerden durch dünner werdende Schleimhäute. Eine sichere Diagnose bekommst du nur ärztlich, oft über Ultraschall und in manchen Fällen über eine Bauchspiegelung. Wenn du schon lange mit dem Verdacht lebst, kann ein zertifiziertes Endometriosezentrum eine gute Anlaufstelle sein.
Lass deine Beschwerden zeitnah ärztlich abklären, wenn:
- du nach der Menopause neue oder stärkere Schmerzen im Unterleib bekommst
- du nach der Menopause blutest, also wenn deine letzte Periode mehr als ein Jahr zurückliegt
- Blut im Stuhl oder im Urin auftritt
- du ungewollt abnimmst oder sich dein Bauch deutlich verändert
Diese Zeichen können harmlose Gründe haben, sie sollten aber immer angeschaut werden, bevor du sie selbst einordnest.
Was du selbst für dich tun kannst
Die Behandlung einer Endometriose gehört in ärztliche Hände. Daneben gibt es aber einiges, mit dem du deinen Körper im Alltag unterstützen kannst, gerade weil Entzündung bei Endometriose eine so große Rolle spielt:
- Wärme auf den Unterleib, mit Wärmflasche oder Kirschkernkissen, weil sie die Muskulatur entspannt und Krämpfe lindern kann.
- Entzündungsarm essen, mit viel Gemüse, Beeren, Nüssen, Leinöl und fettem Fisch, weil Omega-3-Fettsäuren und Pflanzenstoffe Entzündungen entgegenwirken.
- Zucker, Weißmehl, Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren, weil sie Entzündungen eher fördern.
- Ballaststoffe und einen gut versorgten Darm im Blick haben, weil über Leber und Darm auch überschüssiges Östrogen ausgeschieden wird.
- Sanfte, regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Yoga, weil sie die Durchblutung im Becken verbessert.
- Den Beckenboden nicht vergessen, denn Physiotherapie kann bei Schmerzen und Verspannungen im Becken viel bewirken.
- Magnesium, weil es muskelentspannend wirken kann.
- Auf Schlaf und Stress achten, weil dauerhafte Belastung Schmerzen verstärken kann und das ganze Hormonsystem beeinflusst.
Manche Frauen berichten, dass sie glutenfrei besser zurechtkommen. Die Studienlage dazu ist noch nicht eindeutig, ein Versuch über einige Wochen kann dir aber zeigen, ob es bei dir einen Unterschied macht.
Und dann gibt es noch die Seite, über die selten gesprochen wird: Jahrelange Schmerzen, die nicht ernst genommen werden, gehen an die Psyche. Wenn du merkst, dass dich das Thema auch innerlich zermürbt, ist das kein Zeichen von Schwäche. Wie eng Hormone und Psyche zusammenhängen, habe ich im Artikel über Angst und Psyche in den Wechseljahren beschrieben.
Wenn du erst einmal sortieren möchtest, welche Beschwerden bei dir gerade zusammenkommen, hilft dir mein kostenloser Hormon-Symptom-Check. Wo du in den Wechseljahren gerade stehst, kannst du im Artikel über die 4 Phasen der Wechseljahre nachlesen.
Häufige Fragen zu Endometriose in den Wechseljahren
Bei vielen Frauen werden die Beschwerden nach der Menopause deutlich leiser, weil weniger Östrogen gebildet wird. Bei manchen bleibt die Endometriose aber aktiv, weil der Körper weiter Östrogen im Fettgewebe bildet und Endometrioseherde selbst Östrogen herstellen können.
Ja, vor allem in der Perimenopause. Das Progesteron sinkt früh, während das Östrogen stark schwankt und zwischendurch hoch sein kann. Diese Kombination kann Endometrioseherde zusätzlich anregen.
Das ist selten, aber möglich. Häufig war ein Herd schon lange da und macht erst jetzt Beschwerden oder fällt bei einer Untersuchung auf. Neue Unterleibsschmerzen nach der Menopause sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Ja. Auch Jahre nach der Menopause kann eine Endometriose Beschwerden machen, weil Östrogen weiter im Fettgewebe und in den Herden selbst gebildet wird.
Wärme, entzündungsarme Ernährung, ein gut versorgter Darm, sanfte Bewegung und genug Schlaf können dich im Alltag unterstützen. Wenn du deine Hormone verstehen möchtest, zeigt ein Speicheltest, wie Östrogen und Progesteron bei dir zueinander stehen.
Quellen
- As-Sanie S et al.: Endometriosis: A Review. JAMA 2025; 334(1): 64–78.
- Bulun SE et al.: Aromatase in endometriosis and uterine leiomyomata. Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology 2005; 95(1–5): 57–62.
Was hilft dir an Tagen, an denen die Schmerzen stark sind?
Erzähl mir gern in den Kommentaren davon. Ich lese jeden Kommentar und antworte dir. → Zu den Kommentaren
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Wer hier schreibt?
Ich bin Heike Ferg und schreibe auf diesem Blog über Hormone, Wechseljahre und Psyche. Als Hormoncoach & zertifizierte Psychologische Beraterin (VpsyB) höre ich täglich von all den körperlichen und emotionalen Beschwerden, die viele Frauen bei sich beobachten, aber oft nicht erklärt bekommen. Du suchst eine fachkundige Begleitung für deine Perimenopause und die Wechseljahre? Hier kannst du mehr über meine Angebote erfahren: