21 von 33 Frauen sprechen offen über ihre Angst in den Wechseljahren – nur selten mit dem Partner

Handschriftliche Notiz mit der Zahl 64 Prozent – Ergebnis aus Heikes Umfrage zur Angst in den Wechseljahren

Ich hätte darauf gewettet, dass die meisten Frauen über ihre Ängste in den Wechseljahren schweigen. 33 Antworten später weiß ich: Ich hätte die Wette verloren. 21 von ihnen sprechen offen mit mehreren Menschen darüber – nur eben selten mit dem Partner.

✦ Das Wichtigste in Kürze
  • In meiner Umfrage unter 33 Frauen sprechen 21 (64 %) offen mit mehreren Menschen über ihre Angst in den Wechseljahren – 15 % haben noch nie mit jemandem darüber gesprochen.
  • Die wichtigste Gesprächspartnerin ist die beste Freundin (68 %) – mit dem Partner sprechen nur 46 % der Frauen, die sich überhaupt öffnen.
  • Am häufigsten genannt: die Angst vor Kontrollverlust über den eigenen Körper und davor, nicht mehr gesehen zu werden – beide mit 39 % gleichauf, noch vor der Angst vorm Älterwerden.
  • Mehr als jede dritte Frau (36 %) hatte im letzten Jahr mindestens eine Panikattacke.

Warum ich das wissen wollte

Am Anfang stand ein Satz, der Frauen in dieser Lebensphase oft begegnet: „Du bist aber zickig geworden.“ Meistens von Männern gesagt, meistens abfällig gemeint. Ich glaube nicht, dass da vor allem die Hormone sprechen. Ich glaube, da spricht eine Frau, die nach vielen Lebensjahren nicht mehr zu allem Ja und Amen sagt wie vielleicht noch mit 25.

Aber genau diese Selbstbewusstheit hat mich stutzig gemacht. Eine Frau, die nach außen so bestimmt auftritt, hat nach innen nicht automatisch keine Angst mehr – vielleicht fragt gerade deshalb kaum jemand, was unter diesem selbstbewussten Auftreten noch schlummert.

Meine Vermutung: Die meisten Frauen schweigen genau darüber. Nach außen selbstbewusst, nach innen still mit der eigenen Angst – das wollte ich mit echten Zahlen prüfen, nicht nur vermuten. Ich lag falsch – und das ist die interessantere Geschichte als die, die ich ursprünglich schreiben wollte.

Meine Methodik

Befragt habe ich Frauen ab 35 in der Perimenopause oder den Wechseljahren – über meinen Newsletter, Instagram, Facebook und meine Kundinnen. Der Fragebogen lief anonym, freiwillig, über etwa drei Wochen im September 2026. 33 Frauen haben geantwortet.

Die meisten von ihnen sind zwischen 46 und 55 – 19 der 33 Frauen. Zehn weitere sind 56 oder älter, der Rest jünger. Elf stecken gerade mitten in der Perimenopause, zehn sagen von sich, sie seien eher am Ende der Wechseljahre – dazwischen sieben, die mittendrin stecken, und fünf, die selbst nicht genau wissen, wo sie gerade stehen.

Das ist keine repräsentative Erhebung, sondern eine Befragung in meinem eigenen Umfeld. Ich sage das nicht, um mich kleinzumachen, sondern weil es der Satz ist, der mich glaubwürdig macht: Ich zeige dir genau, wo meine Zahlen herkommen, und du kannst selbst einordnen, was sie wert sind.

Wie offen sprechen die 33 Frauen über ihre Angst in den Wechseljahren?

AntwortAnteil (Basis: 33)
Ja, offen mit mehreren Personen64 %
Nur angedeutet, nie richtig ausgesprochen18 %
Nein, noch nie mit jemandem15 %
Ja, aber nur mit einer einzigen Person3 %

Die beste Freundin hört öfter zu als der Partner

Die Aussage: Wenn Frauen über ihre Wechseljahre-Angst sprechen, ist es meist nicht der Partner, sondern die beste Freundin.

Die Zahl, sofort: 19 von 28 Frauen, die überhaupt sprechen, tun das mit der besten Freundin – 68 %. Mit dem Partner sprechen nur 13 von 28, also 46 %.

GesprächspartnerAnteil (Basis: 28)
Beste Freundin68 %
Partner/in46 %
Ärztin/Therapeutin/Beraterin39 %
Andere in Familie14 %

Ein Zitat: „Wie fühlt man sich in der Partnerschaft, wenn der Partner kein Verständnis für deine Gefühle und Ängste hat – du es aber nicht mehr unterdrücken möchtest?“

Was das für dich heißt: Wenn dein Partner gerade nicht der richtige erste Ansprechpartner ist, bist du damit nicht die Ausnahme. Bei den meisten befragten Frauen ist ohnehin die beste Freundin die erste Adresse.

Wovor haben Frauen in den Wechseljahren am meisten Angst?

Die Aussage: Die Angst, nicht mehr attraktiv zu sein oder nicht mehr gesehen zu werden, ist für Frauen in den Wechseljahren genauso groß wie die Angst vor dem Kontrollverlust über den eigenen Körper.

Die Zahl, sofort: 13 von 33 Frauen – 39 % – kreuzen beides an. Gleichauf auf Platz eins, noch vor der Angst vorm Älterwerden selbst (30 %).

AngstAnteil (Basis: 33)
Kontrollverlust über den Körper39 %
Nicht mehr attraktiv/gesehen zu werden39 %
Älterwerden / Leistungsfähigkeit30 %
Krankheit oder Tod21 %
Keine besondere Angst21 %
Partner/in zu verlieren18 %
Finanzielle Absicherung18 %

Ein Zitat: „Vor einem Auftritt. Angst, nicht zu genügen.“

Was das für dich heißt: Wenn dich das Gefühl beschäftigt, in Meetings, auf Fotos oder im Freundeskreis plötzlich weniger wahrgenommen zu werden, ist das keine Eitelkeit. Es ist eine der beiden am häufigsten genannten Ängste in dieser Umfrage.

Sieben Frauen sagen „keine besondere Angst“ – und erzählen dann von Herzrasen

Die Aussage: Sieben von 33 Frauen kreuzen „keine besondere Angst“ an – und schildern im nächsten Satz Symptome, die sich anders lesen.

Die Zahl, sofort: 7 von 33, also 21 %, geben an, keine besondere Angst zu haben. Mindestens zwei davon beschreiben im Freitext trotzdem ganz konkrete Angst- oder Paniksymptome.

Ein Zitat: „Enge in der Brust und innere Unruhe.“ – Anita, die ebenfalls „keine besondere Angst“ angekreuzt hatte, kurz bevor sie vor einer wichtigen Entscheidung stand.

Eine andere Frau, die ebenfalls „keine besondere Angst“ angekreuzt hatte, schreibt: „Ich konnte nicht aus dem Auto aussteigen […] schlicht der Horror. Ich fuhr dann wieder heim und war total fertig.“

Was das für dich heißt: Wenn du bei der Frage „Hast du Angst?“ instinktiv Nein sagst, lohnt sich der zweite Blick auf das, was dein Körper gerade tatsächlich macht – Herzrasen, Enge in der Brust, der Impuls, umzudrehen. Das zählt, auch wenn es sich nicht wie „richtige“ Angst anfühlt. Dass der Körper in dieser Lebensphase insgesamt schneller auf Reize reagiert, zeigt sich nicht nur bei Angst – wie das zusammenhängt, beschreibe ich in meinem Artikel zur Hochsensibilität in den Wechseljahren.

Die Stimmen: was mir am meisten hängen geblieben ist

36 % der Frauen hatten im letzten Jahr mindestens eine Panikattacke, weitere 15 % waren sich nicht sicher, ob es eine war – zusammen also jede zweite. Am meisten hängen geblieben ist mir dabei eine einzelne Kreuzung: Von den 12 Frauen mit bestätigter Panikattacke sprechen 7 offen mit mehreren Menschen darüber – aber 2 haben noch NIE mit jemandem darüber gesprochen.

Fünf Stimmen, die zeigen, wie unterschiedlich die Frauen ihre eigene Angst einordnen.

„Ob das aber mit Wechseljahren zu tun hat, bezweifle ich“ – eine Frau, die ihre Sorge um die finanzielle Absicherung eher mit ihrem Alter im Job erklärt als mit Hormonen.

Eine andere Frau verortet ihre Angst vorm Älterwerden explizit bei der rasanten digitalen Entwicklung und dem Stellenabbau in ihrer Branche – nicht bei ihren Hormonen.

„Panikattacke zu einem ganz anderen Thema. Arbeit“ – eine Frau mit häufigen Panikattacken, die selbst widerspricht, dass diese etwas mit den Wechseljahren zu tun haben.

„Ich frage mich selbst, ob meine Ängstlichkeit durch die Perimenopause verstärkt wird, oder ob sie davon unbeeinflusst ist“ – eine Frau, deren Angst sich eigentlich um die Gesundheit ihres Partners dreht, nicht um sie selbst.

„Wenn ich ältere Menschen beobachte, denke ich: Oh mein Gott, was ist, wenn ich auch so werde – hilflos, vergesslich. Wer ist dann noch da für mich?“ – eine Frau, die ihre Angst weniger am eigenen Körper festmacht als an der Vorstellung, allein zurückzubleiben.

„Meistens nachts im Bett, wenn ich nicht schlafen kann und anfange zu grübeln“ – Sabrina, auf die Frage, wann ihre Angst am stärksten ist. Danach wird sie, wie sie selbst schreibt, weinerlich.

Manche Frauen sind sich selbst nicht sicher, ob ihre Angst mit den Wechseljahren zusammenhängt. Andere verneinen es ganz direkt. Das nehme ich ernst, statt es wegzuerklären.

Was ich trotz dieser Umfrage noch nicht weiß

Warum manche Frauen „keine besondere Angst“ ankreuzen und im nächsten Satz von Herzrasen erzählen, kann ich aus den Daten nicht beantworten – nur beschreiben. Ob Panikattacken in dieser Lebensphase tatsächlich hormonell mitbedingt sind oder eine eigenständige Belastung, lässt sich aus Selbstauskünften nicht sauber trennen. Mehrere Frauen widersprechen sich da selbst. Wie eng Hormone und Psyche überhaupt zusammenhängen, beschreibe ich ausführlicher in Wechseljahre und Psyche und in Psychoneuroendokrinologie: Das Zusammenspiel von Hormonen, Gehirn und Psyche.

Und eine Kreuzung, auf die ich am meisten gehofft hatte: Schweigen, Angst-Art und die Doppelbelastung durch flügge werdende Kinder und Elternpflege gleichzeitig –, konnte ich nicht auswerten. Nur 9 % der Frauen (3 von 33) stecken aktuell in dieser Doppelbelastung. Zu wenig, um daraus etwas Verlässliches zu lesen.

Eine Frau erwähnt im Freitext unaufgefordert, dass sie seit ihrer Angst zwischenzeitlich auch zu Medikamenten greift, die ihr verordnet wurden, obwohl sie gar nicht danach gefragt hatte. Auch das gehört für mich zur ehrlichen Bilanz dieser Umfrage.

Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Ich schicke die nächste Auswertung an alle in meinem Newsletter.

Sprichst du offen über deine Ängste in den Wechseljahren – oder eher nicht? Ich lese jeden Kommentar.

Angst in den Wechseljahren – die wichtigsten Fragen

Sprechen die meisten Frauen offen über ihre Angst in den Wechseljahren?

Ja, entgegen meiner eigenen Erwartung: 21 von 33 befragten Frauen sprechen offen mit mehreren Menschen über ihre Angst in den Wechseljahren. Nur 5 haben noch nie mit jemandem darüber gesprochen.

Mit wem sprechen Frauen am ehesten über ihre Ängste in den Wechseljahren?

Am häufigsten mit der besten Freundin – 68 % der Frauen, die überhaupt sprechen. Erst danach kommen der Partner oder die Partnerin (46 %) und die Ärztin oder Therapeutin (39 %).

Wovor haben Frauen in den Wechseljahren am meisten Angst?

Am häufigsten vor dem Kontrollverlust über den eigenen Körper und davor, nicht mehr gesehen zu werden – beide Ängste liegen in meiner Umfrage mit 39 % gleichauf vorn, noch vor der Angst vorm Älterwerden selbst.

Wie viele Frauen hatten in den Wechseljahren schon eine Panikattacke?

Jede dritte Frau (36 %) hatte im letzten Jahr mindestens eine Panikattacke, weitere 15 % waren sich nicht sicher, ob es eine war.

Ist diese Umfrage zu Angst in den Wechseljahren repräsentativ?

Nein. Meine Umfrage ist nicht repräsentativ, sondern eine Befragung in meinem eigenen Umfeld – 33 echte Antworten, keine wissenschaftliche Hochrechnung.

Heike Ferg, Hormoncoach und psychologische Beraterin, im Portrait mit handschriftlichen Notizen zu Hormonen, Psyche und emotionalen Zusammenhängen

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