Wechseljahre positiv sehen: Warum diese Zeit mehr ist als ein Ende

Hormoncoach Heike Ferg – wie du Wechseljahre positiv begleitest, mehr Lebensfreude gewinnst und deine Hormonphase als Kraftquelle nimmst.
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Wenn Frauen in meine Beratung kommen, höre ich am Anfang oft einen ähnlichen Satz: „Ich will einfach wieder die Alte sein.“ Dahinter steckt der Wunsch, dass sich alles wieder so anfühlt wie vor ein paar Jahren, als der Schlaf noch selbstverständlich war und der Körper einfach funktioniert hat. Die Wechseljahre fühlen sich dann vor allem wie ein Verlust an, und das ist verständlich, wenn Hitzewallungen, Grübelnächte und Stimmungsschwankungen den Alltag bestimmen.

Und trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick auf diese Lebensphase. Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein Übergang, den dein Körper ziemlich klug organisiert. Was dabei passiert und warum du diese Zeit auch als Neuanfang sehen kannst, schauen wir uns hier an.

✦ Das Wichtigste in Kürze
  • Die Perimenopause beginnt bei den meisten Frauen in der zweiten Hälfte der Vierziger. Unregelmäßige Blutungen sind oft das erste Zeichen.
  • Die Wechseljahre sind ein natürlicher Übergang und keine Krankheit. Wie stark die Beschwerden sind, ist von Frau zu Frau sehr verschieden.
  • In einer Befragung der DAK hatten 86 % der berufstätigen Frauen zwischen 40 und 62 Wechseljahresbeschwerden, aber nur 19 % fühlten sich von ihrer Frauenarztpraxis gut informiert.
  • Ernährung, Stress, Schlaf und frühere Hormone, zum Beispiel zur Verhütung, beeinflussen, wie gut dein Körper sich umstellt.
  • Nach der Menopause wird für viele Frauen einiges ruhiger: Die Periode fällt weg, zyklusabhängige Beschwerden lassen oft nach.
  • In einer forsa-Befragung für die hkk sagten 71 % der berufstätigen Frauen zwischen 40 und 65, dass sie sich ihrer Bedürfnisse bewusst sind, und jede zweite fühlt sich voller Selbstvertrauen.

Wann die Wechseljahre beginnen

Typischerweise beginnt die Perimenopause, also die Übergangszeit vor der letzten Periode, zwischen Mitte und Ende vierzig. Die Blutungen werden unregelmäßiger, kommen mal früher, mal später oder bleiben auch einmal aus, und genau daran merken viele Frauen zuerst, dass sich etwas verändert. Dein Körper beginnt in dieser Zeit, sich langsam auf die nächste Lebensphase einzustellen, und das passiert nicht von heute auf morgen, sondern über mehrere Jahre. Welche Abschnitte es dabei gibt und woran du sie erkennst, habe ich im Artikel über die 4 Phasen der Wechseljahre beschrieben.

Beschwerden als Teil des Übergangs

In dieser Übergangszeit können ganz unterschiedliche Beschwerden auftauchen: Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme, starke oder unregelmäßige Blutungen und empfindlichere Schleimhäute. Wie verbreitet das ist, zeigt eine Befragung der DAK unter 2.500 berufstätigen Frauen zwischen 40 und 62 Jahren: 86 % hatten Wechseljahresbeschwerden, am häufigsten Hitzewallungen (62 %), Schlafstörungen (58 %) und Reizbarkeit (48 %).

Die gleiche Befragung zeigt aber auch, wie allein viele Frauen damit bleiben. 91 % wünschen sich Informationen von ihrer Frauenarztpraxis, aber nur 19 % bekommen sie. Und mehr als jede dritte Frau hat bisher gar nichts unternommen, um ihre Beschwerden im Beruf zu lindern. Für mich heißt das vor allem eines: Viele Beschwerden müssten nicht so lange so viel Raum einnehmen, wenn Frauen früher verstehen würden, was in ihrem Körper gerade passiert.

Manche Frauen spüren von all dem kaum etwas, andere haben über Jahre deutliche Beschwerden. Beides ist normal, und beides sagt nichts darüber aus, ob du „gut“ oder „schlecht“ durch die Wechseljahre kommst. Die Beschwerden zeigen dir, dass dein Körper gerade umbaut, und sie geben dir Hinweise darauf, wo er Unterstützung brauchen kann.

Wenn ein vertrauter Rhythmus endet

In der Pubertät hat dein Körper gelernt, den monatlichen Zyklus mit seinen Hormonschwankungen zu steuern. In den Wechseljahren verabschiedet sich dieser vertraute Rhythmus nach und nach: Der Eisprung findet seltener statt, das Progesteron sinkt meist zuerst, das Östrogen schwankt, bis irgendwann die letzte Periode kommt, die eigentliche Menopause.

Wie gut dein Körper diese Umstellung schafft, hängt von vielen Dingen ab, zum Beispiel davon, wie du dich ernährst, wie viel Stress du über Jahre getragen hast, wie du schläfst und ob du früher Hormone genommen hast, etwa zur Verhütung. Deshalb erleben zwei Frauen im gleichen Alter diese Zeit oft so unterschiedlich, und deshalb hilft es wenig, sich mit der Freundin oder Kollegin zu vergleichen.

Wechseljahre und Psyche: mehr als Hormone

Viele Frauen erschrecken in dieser Zeit weniger über die Hitzewallungen als über sich selbst. Plötzlich ist da eine Gereiztheit, die man von sich nicht kennt, eine Unruhe ohne erkennbaren Grund oder Tage, an denen alles grau wirkt. Die schwankenden Hormone spielen dabei eine Rolle, weil Östrogen und Progesteron eng mit den Botenstoffen im Gehirn zusammenarbeiten.

Gleichzeitig ist die Lebensmitte selten eine ruhige Zeit. Kinder ziehen aus, Eltern brauchen Unterstützung, im Beruf wird viel erwartet, und das alles trifft auf einen Körper, der gerade selbst im Umbau ist. Wie Hormone und Psyche in dieser Phase zusammenhängen, habe ich ausführlich im Artikel über Angst und Psyche in den Wechseljahren beschrieben.

Die Wechseljahre nehmen dir manches, was selbstverständlich war, und sie geben dir die Gelegenheit, genauer hinzuschauen, wie du die nächsten Jahrzehnte leben möchtest.

Heike Ferg, Hormoncoach für Frauen in den Wechseljahren

Was nach der Menopause oft leichter wird

Über die Zeit nach der letzten Periode wird meistens nur gesprochen, wenn es um Risiken geht. Dabei erzählen mir viele Frauen, dass sich einiges spürbar beruhigt, wenn die stürmische Übergangszeit vorbei ist und sich die Hormone auf einem neuen Niveau eingependelt haben.

  • Die Periode fällt weg, und damit auch Binden, Tampons, Planen um den Zyklus herum und die Sorge vor starken Blutungen.
  • Beschwerden, die stark am Zyklus hingen, wie Brustspannen vor der Periode, zyklusabhängige Migräne oder PMS, lassen bei vielen Frauen nach.
  • Gutartige Myome, die vom Östrogen abhängen, werden nach der Menopause häufig kleiner.
  • Verhütung ist nach der Menopause kein Thema mehr, was viele Frauen als große Freiheit empfinden.

Das heißt nicht, dass nach der Menopause alles von selbst gut wird. Schleimhäute, Knochen und Herz brauchen in dieser Zeit mehr Aufmerksamkeit als früher, und genau deshalb lohnt es sich, schon in den Wechseljahren gut für dich zu sorgen.

Warum Hormone im Alter oft übersehen werden

Die Wechseljahre hören nicht mit der letzten Periode auf. Die hormonelle Situation danach begleitet dich für den Rest deines Lebens, und viele Beschwerden, die Frauen mit 60 oder 70 haben, werden einzeln behandelt, ohne dass jemand fragt, ob Hormone dabei mitspielen. Schlaf, Stimmung, Gelenke, Verdauung oder Blutzucker hängen alle auch mit dem Hormonsystem zusammen.

Genau deshalb lohnt es sich, früh genug hinzuschauen, und nicht erst dann, wenn sich viele Beschwerden angesammelt haben. Einen ersten Überblick gibt dir mein kostenloser Hormon-Symptom-Check.

Wenn du schon Hormone nimmst

Viele Frauen, die zu mir kommen, nehmen schon seit Jahren Hormone, und manche fragen sich, ob das so noch zu ihnen passt. Das ist eine berechtigte Frage, und sie verdient eine ruhige Antwort statt eines Schnellschusses: Hormone, die du von deiner Ärztin bekommst, setzt du bitte nicht eigenmächtig ab und stellst sie auch nicht selbst um. Sprich mit ihr darüber, wenn du etwas verändern möchtest.

Was ich dir in meiner Hormonberatung anbieten kann, ist ein genauer Blick darauf, wo du hormonell gerade stehst. Mit einem Speicheltest sehen wir deine Werte, und ich ordne sie gemeinsam mit deinen Beschwerden ein. Ich berate dich dabei auch zu bioidentischen Hormonen als einer Möglichkeit der Selbstfürsorge, immer nach deinem Ergebnis und nie als Einheitslösung. Hormone von der Stange in einer Dosierung, die für alle Frauen gleich ist, entsprechen nicht meiner Arbeitsweise. Das ist eine Beratung und keine Therapie, und sie gibt dir eine gute Grundlage für deine eigene Entscheidung.

Was dich im Übergang unterstützt

Vieles, was deinem Körper in dieser Zeit guttut, ist gar nicht kompliziert, es braucht nur ein bisschen Aufmerksamkeit im Alltag:

  • Bestimmte Lebensmittel wie Leinsamen, Hülsenfrüchte und viel Gemüse, weil sie deinen Hormonstoffwechsel mit wichtigen Nährstoffen versorgen.
  • Regelmäßige Bewegung, am besten mit etwas Krafttraining, weil Muskeln und Knochen in dieser Zeit besonders davon profitieren.
  • Genug Schlaf und feste Ruhezeiten, weil dein Nervensystem in der Umstellung empfindlicher reagiert.
  • Weniger Zucker und Alkohol, weil beide Hitzewallungen und Schlafstörungen verstärken können.
  • Offen darüber reden, mit Partner, Freundinnen oder auch im Job, weil es entlastet und weil fast jede zweite Frau sich laut der DAK-Befragung wünscht, dass offener über die Wechseljahre gesprochen wird.

Wechseljahre als Chance: die Lebensmitte als Neuanfang

Wenn der erste Schreck über die Veränderungen vorbei ist, erzählen mir viele Frauen etwas Überraschendes: Sie spüren klarer als früher, was ihnen wichtig ist und was nicht mehr. Manche sagen zum ersten Mal Nein zu Dingen, die sie jahrelang aus Pflichtgefühl gemacht haben, andere entdecken ein altes Hobby wieder oder fangen beruflich noch einmal etwas Neues an.

Das ist nicht nur mein Eindruck aus der Beratung. In einer forsa-Befragung für die Krankenkasse hkk unter gut 2.000 berufstätigen Frauen zwischen 40 und 65 sagten 71 %, dass sie sich ihrer Bedürfnisse bewusst sind, jede zweite fühlt sich voller Selbstvertrauen, und fast zwei Drittel nehmen sichtbare Zeichen des Älterwerdens gelassen. Die Wechseljahre sind also für viele Frauen nicht nur eine Zeit der Beschwerden, sondern auch eine Zeit, in der sie innerlich sicherer werden.

Dein Körper hat für diesen Übergang ein ziemlich ausgeklügeltes Umstellungsprogramm, und je besser du ihn dabei unterstützt, desto ruhiger wird diese Zeit meistens. Bist du schon mittendrin oder noch am Anfang? Das kannst du mit meinem Wechseljahre-Selbsttest herausfinden. Er zeigt dir, in welcher Phase du ungefähr stehst, und gibt dir passende Tipps für deinen Alltag mit.

Häufige Fragen zu den Wechseljahren

Sind die Wechseljahre eine Krankheit?

Nein. Die Wechseljahre sind ein natürlicher Übergang, in dem die Eierstöcke ihre Hormonproduktion langsam herunterfahren. Die Beschwerden können trotzdem sehr belastend sein und verdienen es, ernst genommen zu werden.

Wann beginnen die Wechseljahre?

Die Perimenopause beginnt bei den meisten Frauen zwischen Mitte und Ende vierzig. Erste Zeichen sind oft unregelmäßige Blutungen, schlechterer Schlaf oder Stimmungsschwankungen. Die letzte Periode, die Menopause, liegt im Durchschnitt um das 51. Lebensjahr.

Wie lange dauern die Wechseljahre?

Die Übergangszeit mit spürbaren Beschwerden dauert bei vielen Frauen einige Jahre, bei manchen auch länger. Wie lange und wie stark, ist sehr individuell.

Kann man die Wechseljahre positiv sehen?

Ja. Viele Frauen erleben die Zeit nach der Menopause als ruhiger, weil Periode und zyklusabhängige Beschwerden wegfallen. Hilfreich ist, früh zu verstehen, was im Körper passiert, und gut für Schlaf, Ernährung, Bewegung und Psyche zu sorgen.

Was hilft in den Wechseljahren auf natürliche Weise?

Eine nährstoffreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung mit Krafttraining, guter Schlaf, weniger Zucker und Alkohol und ein bewusster Umgang mit Stress unterstützen deinen Körper in der Umstellung. Wenn du wissen möchtest, wie deine Hormone gerade stehen, zeigt ein Speicheltest, wo du stehst.

Darf ich meine Hormone selbst absetzen?

Nein. Hormone, die du von deiner Ärztin bekommst, setzt du bitte nicht eigenmächtig ab und stellst sie nicht selbst um. Sprich mit ihr, wenn du etwas ändern möchtest. Ein Hormontest kann dir dafür eine gute Grundlage geben.

Quellen

Was hat sich für dich seit Beginn der Wechseljahre auch zum Guten verändert?

Erzähl mir gern in den Kommentaren davon. Ich lese jeden Kommentar und antworte dir. → Zu den Kommentaren

Heike Ferg, Hormoncoach und psychologische Beraterin, im Portrait mit handschriftlichen Notizen zu Hormonen, Psyche und emotionalen Zusammenhängen

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