Hormone verstehen: Der große Guide für Frauen ab 35

Hormoncoach Heike Ferg erklärt hier gestikulierend Zusammenhänge im Hormonhaushalt.
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  • Beitrag zuletzt geändert am:4. August 2026
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Hormone sind an fast jedem Vorgang in deinem Körper beteiligt – an deinem Schlaf, deiner Stimmung, deinem Zyklus, deiner Haut, deinen Knochen, deiner Belastbarkeit im Alltag. Wer versteht, wie sie zusammenhängen, kann viele Beschwerden besser einordnen, statt sie einzeln für sich zu betrachten.

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  • Hormone wirken nie einzeln – Östrogene, Progesteron, Testosteron, Cortisol und DHEA stammen alle aus Cholesterin und beeinflussen sich gegenseitig.
  • Ein Ungleichgewicht zeigt sich oft unspezifisch: Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Schlafprobleme, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen.
  • Cortisol (Stress) und die Geschlechtshormone konkurrieren um dieselben Bausteine – anhaltender Stress kann sich direkt auf Progesteron und Testosteron auswirken.
  • Eine Hormonspeichelanalyse mit medizinischem Kommentar zeigt deine tatsächlichen Werte – Grundlage für meine individuelle Beratung.

Was Hormone eigentlich sind

In meiner Beratungspraxis begegnen mir immer wieder Frauen, die trotz mehrerer Arztbesuche mit hartnäckigen körperlichen oder seelischen Beschwerden kämpfen. Manche haben schon vieles ausprobiert – auch alternative Wege, auch bei Heilpraktikern –, ohne dass sich wirklich etwas gebessert hat.

Oft wird auf Verdacht behandelt. Und wenn sich für die körperlichen Beschwerden keine eindeutige Ursache finden lässt, führt die Spur nicht selten in Richtung Psychosomatik – bis hin zu einem Antidepressivum oder einer Überweisung in eine psychotherapeutische Praxis oder Klinik. Was mir dabei immer wieder auffällt: Eine Spur wird erstaunlich oft nicht mitgedacht – die Hormone.

Hormone sind Botenstoffe. Sie werden in bestimmten Drüsen gebildet und gelangen über die Blutbahn in praktisch jeden Winkel deines Körpers. Für diese Seite sind vor allem vier Orte wichtig: die Eierstöcke, die vor allem Östrogene, Progesteron und einen Teil des Testosterons bilden; die Nebennierenrinde, die Cortisol, DHEA und ebenfalls einen Teil des Testosterons herstellt; die Schilddrüse, die T3 und T4 bildet; und, übergeordnet, Hypothalamus und Hypophyse im Gehirn, die als eine Art Leitstelle den Bedarf an die anderen Drüsen melden.

Ob ein Hormon an einem bestimmten Ort etwas bewirkt, hängt davon ab, ob dort ein passender Rezeptor sitzt – eine Art Andockstelle, die nur zu genau diesem Hormon passt. Das erklärt, warum ein und dasselbe Hormon an einer Stelle etwas bewegt und an einer anderen scheinbar gar nichts tut.

Der Regelkreis hinter deinem Zyklus

Hormone arbeiten außerdem selten allein. Die Produktion eines Hormons wird meist von einem anderen gesteuert oder gebremst, oft über sogenannte Regelkreise: Eine übergeordnete Instanz im Gehirn – Hypothalamus und Hypophyse – meldet den Bedarf, eine Drüse produziert daraufhin, und ein steigender Hormonspiegel wiederum bremst die übergeordnete Instanz. Dieses Prinzip nennt sich Rückkopplung.

Regelkreis der weiblichen Hormone: Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcke im Zusammenspiel von FSH, LH und Rückkopplung durch Östrogen und Progesteron

Der Regelkreis, der die Geschlechtshormone steuert, trägt in der Fachsprache einen eigenen Namen: die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, kurz HPG-Achse. Der Hypothalamus gibt in einem bestimmten Rhythmus ein Signal an die Hypophyse weiter, diese schüttet daraufhin FSH und LH aus, die direkt an den Eierstöcken wirken. FSH regt dort die Reifung eines Follikels an, aus dem später der Eisprung erfolgt, und LH löst diesen Eisprung schließlich aus. Aus dem verbleibenden Follikelgewebe entsteht danach der Gelbkörper, der Progesteron produziert.

Wichtig zu wissen: Ein einzelner Hormonwert an einem einzelnen Tag sagt wenig, wenn er nicht im Verhältnis zum Zyklustag, zum Alter und zu anderen Werten betrachtet wird. Diese Seite kann dir keine Diagnose abnehmen – deine tatsächlichen Werte lassen sich nur über eine echte Analyse ermitteln, etwa eine Hormonspeichelanalyse mit medizinischem Kommentar einer Laborärztin.

Verlauf von Testosteron, Progesteron und Östrogen im Frauenleben von 15 bis 70 Jahren mit Perimenopause

Zwei Bauprinzipien: wie Hormone chemisch aufgebaut sind

Nicht alle Hormone sind aus demselben Material gebaut. Es gibt im Wesentlichen zwei große Bauprinzipien, und zu wissen, zu welcher Familie ein Hormon gehört, erklärt eine ganze Menge – zum Beispiel, warum der Körper ein Hormon in ein anderes umwandeln kann und ein anderes eben nicht.

Steroidhormone bilden die erste, für diese Seite wichtigste Familie. Dazu gehören Progesteron, Testosteron, die Östrogene und Cortisol – und auch DHEA, das als Ausgangsstoff für andere Hormone gebraucht wird. Der gemeinsame Bauplan ist ein Ringsystem aus vier miteinander verbundenen Kohlenstoffringen, das sogenannte Steran-Grundgerüst. Bestimmte Enzyme entfernen, verschieben oder ergänzen einzelne Bausteine an genau definierten Stellen dieses Ringsystems, und aus dem immer gleichen Grundgerüst entsteht so mal Progesteron, mal Cortisol, mal ein Östrogen.

Bemerkenswert ist, dass diese Umwandlung nicht nur in den Eierstöcken oder der Nebenniere stattfindet. Aromatase, das Enzym, das Testosteron in Östrogen umwandelt, sitzt zum Beispiel auch im Fettgewebe. Das ist der Grund, warum Frauen nach den Wechseljahren – wenn die Eierstöcke kaum noch Östrogen bilden – trotzdem einen gewissen Östrogenspiegel behalten: Er stammt dann überwiegend aus dieser Umwandlung im Fettgewebe.

Der Ausgangsstoff für dieses ganze Ringsystem ist Cholesterin. Der Körper baut daraus zunächst Pregnenolon, aus dem sich anschließend alle weiteren Steroidhormone entwickeln. Aus Pregnenolon entstehen zwei Hauptzweige: Der eine führt über Progesteron in Richtung Cortisol, das Stresshormon der Nebennierenrinde. Der andere führt über DHEA in Richtung Testosteron, und aus Testosteron wiederum entstehen – mithilfe der Aromatase – die Östrogene. Das ist auch der Grund, warum praktisch jede Frau eine kleine Menge Testosteron im Körper hat: Es ist eine Zwischenstufe auf dem Weg zum Östrogen.

Auch Cortisol gehört zu dieser Familie, auch wenn es selten neben Progesteron oder Östrogenen genannt wird. Weil Cortisol denselben Ausgangsstoff und dieselben frühen Produktionsschritte teilt wie Progesteron und DHEA, wirkt sich anhaltende Stressbelastung direkt auf die Verfügbarkeit dieser Bausteine für die Geschlechtshormone aus.

Steroidhormone sind fettlöslich und gleiten direkt durch die Zellwand, binden innen an einen Rezeptor und wandern bis in den Zellkern, wo gezielt Gene an- oder abgeschaltet werden – ihre Wirkung setzt deshalb etwas verzögert ein, hält dafür oft länger an. Die zweite große Familie sind Peptid- und Proteohormone – Botenstoffe aus Aminosäureketten statt aus einem Ringsystem, etwa Insulin, Wachstumshormon und Oxytocin. Eine dritte, kleinere Sonderform bilden die Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Syntheseweg der Steroidhormone: von Cholesterin über Pregnenolon zu Progesteron, Cortisol, DHEA, Testosteron und Östrogenen

Cholesterin: der Grundbaustein, den kaum jemand mit Hormonen verbindet

Cholesterin hat einen denkbar schlechten Ruf. Was in diesem Bild fast immer fehlt: Cholesterin ist der Grundbaustein, aus dem dein Körper sämtliche Steroidhormone herstellt – Progesteron, Testosteron, die Östrogene, Cortisol, DHEA. Ohne ausreichend Cholesterin gäbe es schlicht kein Ausgangsmaterial für diese Hormone.

Viele Frauen glauben, ihr Cholesterinspiegel hänge in erster Linie davon ab, wie viel Cholesterin sie über die Nahrung aufnehmen. Tatsächlich stellt deine Leber den weitaus größten Teil deines Cholesterins selbst her, unabhängig davon, was auf dem Teller liegt. Auch die Unterscheidung zwischen LDL und HDL betrifft im Kern nicht zwei unterschiedliche Cholesterin-Sorten, sondern zwei unterschiedliche Transportverpackungen, in denen dasselbe Cholesterin durch dein Blut reist.

Das soll kein Freibrief für unbegrenzten Cholesterinkonsum sein – Ernährung und Herz-Kreislauf-Gesundheit haben eigene, komplexe Zusammenhänge, die eine eigene fachliche Einordnung verdienen. Manche Frauen bringen zudem einen familiär bedingt hohen Cholesterinspiegel mit; für sie ist eine ärztlich begleitete Behandlung besonders wichtig, unabhängig von der hier beschriebenen Rolle als Hormon-Rohstoff. Wichtig für das Verständnis der Hormone bleibt: Cholesterin an sich ist kein Gegner, sondern Rohstoff.

Die drei Geschlechtshormone im Kurzporträt

Von den vielen Hormonen, die bereits gefallen sind, tauchen drei in meiner Beratung mit Abstand am häufigsten auf: Östrogene, Progesteron und Testosteron – weil sich an diesen dreien die meisten der Beschwerden festmachen lassen, die Frauen zu mir bringen.

Östrogene

Dein Körper bildet drei unterschiedliche Östrogene: Estradiol, das mengenmäßig wichtigste Östrogen in den fruchtbaren Jahren, Estron, das nach den Wechseljahren dominiert, weil es auch im Fettgewebe gebildet werden kann, und Estriol, das vor allem in der Schwangerschaft eine Rolle spielt.

Östrogene halten Schleimhäute feucht und elastisch, unterstützen den Knochenstoffwechsel, beeinflussen Gefäße und Herz-Kreislauf-System und wirken bis ins Gehirn hinein, etwa auf Stimmung und Konzentration. Ein Östrogenungleichgewicht – zu wenig ebenso wie ein Zuviel im Verhältnis zu Progesteron – kann in jedem Lebensalter auftreten, nicht nur in den Wechseljahren. → Mehr dazu auf der eigenen Östrogene-Seite.

Progesteron

Progesteron entsteht nach dem Eisprung im Gelbkörper und bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Über einen seiner Abbauprodukte wirkt es zudem auf einen beruhigenden Rezeptor im Gehirn – eine der Erklärungen, warum Progesteron erholsamen Schlaf unterstützt.

Sinkt Progesteron ab, während Östrogen vergleichsweise hoch bleibt – ein Muster, das in den Jahren vor den Wechseljahren häufig auftritt –, zeigt sich das oft an Schlafproblemen, innerer Unruhe oder Brustspannen. → Mehr dazu auf der eigenen Progesteron-Seite.

Testosteron

Auch der weibliche Körper bildet Testosteron in relevanten Mengen, vor allem in Eierstöcken und Nebennierenrinde. Es trägt bei Frauen zu Muskelkraft, Antrieb, Libido sowie Haut und Haaren bei. Anders als Östrogen und Progesteron sinkt der Testosteronspiegel bei Frauen eher gleichmäßig mit dem Alter – ein Rückgang, der bereits Jahre vor den Wechseljahren beginnen kann und deshalb leicht übersehen wird. → Mehr dazu auf der eigenen Testosteron-Seite.

Verlauf von Östrogen und Progesteron im 28-Tage-Zyklus mit Eisprung, Follikel- und Lutealphase

Wenn mehrere Systeme zusammenspielen: Hormone, Wechseljahre und Nervensystem

Die drei Geschlechtshormone verändern sich nicht unabhängig voneinander – und auch nicht unabhängig von zwei weiteren Themen, die auf dieser Website eigene Seiten haben: den Wechseljahren und dem Nervensystem.

In der Perimenopause verschiebt sich zunächst meist das Verhältnis von Progesteron zu Östrogen, bevor beide Hormone Jahre später deutlicher absinken. Testosteron nimmt in dieser Zeit ebenfalls ab, meist etwas gleichmäßiger. Diese Verschiebungen im Detail zu verstehen ist Thema der Seite Wechseljahre – diese Seite hier liefert dafür das Fundament.

Der zweite wichtige Zusammenhang betrifft Cortisol, dein Stresshormon. Weil Cortisol denselben Ausgangsstoff teilt wie Progesteron, DHEA und Testosteron, konkurriert seine Produktion in gewissem Maß mit der der Geschlechtshormone: In Phasen anhaltender Stressbelastung stellt dein Körper die Versorgung mit den gemeinsamen Bausteinen auf Cortisol-Produktion um.

Cortisol folgt außerdem einem eigenen Tagesrhythmus: Es steigt morgens an und sinkt über den Tag hinweg ab. Gerät dieser Rhythmus durcheinander – etwa durch anhaltenden Stress oder unregelmäßigen Schlaf – wirkt sich das direkt auf dein Nervensystem und indirekt über die geteilten Bausteine auf Progesteron, DHEA und Testosteron aus.

Auch dein Immunsystem ist betroffen: Östrogen beeinflusst, wie stark entzündliche Prozesse in deinem Körper ablaufen. Und weil Cortisol, Progesteron und die Östrogene alle auch im Gehirn wirken, hängen hormonelle Verschiebungen eng mit deiner Stimmung, deiner Reizschwelle und deiner Belastbarkeit zusammen.

Wenn sich für ein seelisches Gefühl keine körperliche Ursache finden lässt, führt die Spur oft zuerst in Richtung Psyche – und bei manchen Frauen ist das auch der richtige Weg. Was dabei leicht übersehen wird: die Möglichkeit, dass Hormone an dieser Stimmung mitwirken, als zusätzliche Spur, nicht als Ersatz für die seelische Betrachtung. Wie sich Nervensystem, Stressverarbeitung und seelisches Erleben im Alltag beobachten und begleiten lassen, vertieft die Seite Nervensystem & Psyche.

Wenn hormonelle Signale sich zeigen: typische Beschwerden

Ein hormonelles Ungleichgewicht kann sich sehr unterschiedlich zeigen – von Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen bis hin zu Zyklusveränderungen, Schlafproblemen oder Erschöpfung. Fast jede dieser Beschwerden kann auch andere Ursachen haben und gehört im Zweifel ärztlich abgeklärt.

Eine ausführliche Tabelle mit den häufigsten Beschwerden und ihrem jeweiligen möglichen hormonellen Zusammenhang findest du in meinem Artikel Wechseljahre: Anzeichen, Phasen & Hilfe im Überblick.

Die wenigsten dieser Beschwerden treten für sich allein auf. In meiner Beratung berichten mir Frauen meist von zwei, drei Beschwerden gleichzeitig – und genau diese Kombination liefert oft einen wertvolleren Hinweis als jede Beschwerde für sich genommen. Die typischen Wechseljahresbeschwerden – Hitzewallungen, Zyklusveränderungen und mehr – behandle ich ausführlich auf der eigenen Seite Wechseljahre; diese Übersicht bezieht sich bewusst breiter auf hormonelle Beschwerden über alle Lebensphasen hinweg.

Was sich im Alltag beobachten und behutsam beeinflussen lässt

So sehr Hormone von Enzymen, Rezeptoren und Regelkreisen bestimmt werden – ein paar Stellschrauben liegen tatsächlich in deinem Alltag, auch wenn sie keine ärztliche Abklärung ersetzen, wenn Beschwerden deutlich spürbar sind.

Schlaf gehört zu den wichtigsten dieser Stellschrauben, weil er direkt mit dem Tagesrhythmus von Cortisol zusammenhängt. Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus bringt diesen Rhythmus durcheinander und wirkt sich darüber auch auf Progesteron, DHEA und Testosteron aus, weil sie denselben Ausgangsstoff teilen.

Auch der Umgang mit andauernder Anspannung spielt eine Rolle: Chronischer Stress hält die Cortisol-Produktion dauerhaft hoch und bindet Kapazitäten, die sonst für die Geschlechtshormone zur Verfügung stünden. Was hier hilft, ist von Frau zu Frau unterschiedlich – eine allgemeingültige Anleitung gibt es dafür nicht, und genau darum geht es in der individuellen Beratung.

Auch Bewegung und Ernährung wirken sich auf den Hormonhaushalt aus, allerdings weniger direkt als viele erwarten. Ausreichend Muskelmasse unterstützt einen stabilen Blutzucker- und damit auch Cortisol-Haushalt, und eine nicht zu knapp bemessene Energiezufuhr ist wichtig, weil starkes Untergewicht den Eisprung und damit die Progesteronproduktion beeinträchtigen kann.

Einzelne Mikronährstoffe werden häufig genannt, weil sie an den beschriebenen Umwandlungsschritten mitwirken – Magnesium und Vitamin B6 im Zusammenhang mit Progesteron, Zink im Zusammenhang mit Testosteron. Ob ein tatsächlicher Mangel vorliegt und eine gezielte Ergänzung sinnvoll ist, lässt sich aber nur über eine entsprechende Untersuchung feststellen, nicht auf Verdacht.

Wie du eigene Beobachtungen sammelst, um dich auf ein Beratungsgespräch vorzubereiten

Eine der hilfreichsten Vorbereitungen für eine Hormonspeichelanalyse ist erstaunlich einfach: mehrere Zyklen lang notieren, wann welche Beschwerde auftritt, im Verhältnis zu deinem Zyklustag. Wiederholt sich ein Muster, gibt das dir, der Laborärztin und mir in der anschließenden Beratung einen deutlich klareren Ansatzpunkt als eine einzelne Momentaufnahme.

Sinnvoll ist dabei, neben den offensichtlichen Beschwerden auch vermeintlich unauffällige Dinge festzuhalten: Schlafqualität, Energielevel, Stimmung, Heißhunger. Einen ersten, unverbindlichen Einstieg bietet dir mein kostenloser Hormon-Selbsttest, den nächsten, konkreten Schritt die Hormonspeichelanalyse mit medizinischem Kommentar – eine ausführlichere Anleitung findest du im Artikel „Wie erkenne ich eine Hormon-Dysbalance?„.

Bioidentische Hormone – ein Begriff, der oft missverstanden wird

In Zusammenhang mit Progesteron, Testosteron und Östrogenen begegnet dir früher oder später der Begriff „bioidentisch“. Gemeint sind Hormonpräparate, deren Molekülstruktur exakt der körpereigenen entspricht – im Unterschied zu manchen synthetischen Varianten, die dem Körper zwar ähnlich, chemisch aber nicht identisch sind. Der Begriff sagt zunächst nur etwas über die chemische Struktur aus, nicht automatisch über Wirksamkeit, Sicherheit oder Zulassung eines konkreten Präparats.

Ein wenig bekannter Nebenaspekt: Der Ausgangsstoff für viele bioidentische Hormonpräparate ist pflanzlich – häufig Diosgenin aus der Yamswurzel oder aus Sojabohnen –, das im Labor über mehrere chemische Schritte in Progesteron oder Östrogene umgewandelt wird. Das bedeutet nicht, dass die Wurzel selbst nennenswerte Mengen wirksamen Hormons enthält, wie manche Werbeversprechen suggerieren.

„Bioidentisch“ bedeutet auch nicht automatisch „natürlicher“ oder „risikofreier“ als jede andere Behandlung: Auch bioidentische Hormonpräparate sind Medikamente mit eigener Wirkung und Nebenwirkung, deren Einnahme fachkundig begleitet werden sollte – ärztlich, was Verordnung und Sicherheit betrifft, und in meiner Beratung, was die Einordnung in deinen Alltag angeht. Weil dieses Thema viel Raum braucht, widme ich ihm eine eigene, ausführlichere Seite.

Was diese Seite bewusst nicht abdeckt

Diese Seite konzentriert sich auf die Hormone, die in meiner Beratungspraxis am häufigsten eine Rolle spielen. Nicht vertieft habe ich hier bewusst die Schwangerschaftshormone wie hCG, ebenso wenig Hormone, die eher in der Kinder- und Jugendmedizin oder der Männergesundheit im Mittelpunkt stehen. Auch die konkrete Anwendung einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren ist bewusst ausgeklammert – dieses Thema gehört inhaltlich zur Seite Wechseljahre.

Fragen, die mir in der Beratung häufig begegnen

Woher weiß ich, ob meine Beschwerden hormonell bedingt sind?

Ein erster Anhaltspunkt ist oft, ob sich Beschwerden im Rhythmus deines Zyklus verändern oder ob mehrere der oben genannten Symptome gemeinsam auftreten. Einen ersten, unverbindlichen Eindruck kann dir mein kostenloser Hormon-Selbsttest geben, ausführlicher beschreibe ich die typischen Anzeichen im Artikel „Wie erkenne ich eine Hormon-Dysbalance?“. Sicherheit gibt am Ende die Hormon-Speichelanalyse.

Wie komme ich an meine tatsächlichen Werte?

Der Weg, den ich in meiner Beratung anbiete, ist die Hormonspeichelanalyse: ein Selbsttest, den du bequem zu Hause durchführst und den anschließend eine Laborärztin medizinisch kommentiert. Auf diesen konkreten, gemessenen Werten baut die Beratung bei mir auf – du bekommst also nicht nur eine Zahl, sondern eine fachärztliche Einordnung und im Anschluss meine Übersetzung in deinen Alltag.

Was unterscheidet eine allgemeine hormonelle Dysbalance von den Wechseljahren?

Die Wechseljahre sind eine bestimmte, altersbedingte Phase, in der Progesteron, Östrogene und Testosteron über Jahre hinweg abnehmen. Ein hormonelles Ungleichgewicht kann davon unabhängig in jedem Alter auftreten, ausgelöst etwa durch Stress, starke Gewichtsveränderungen oder Schilddrüsenprobleme. Mehr zur Perimenopause im Detail findest du auf der Seite Wechseljahre.

Kann ich meine Hormone selbst wieder ins Gleichgewicht bringen?

Manche Stellschrauben liegen tatsächlich in deinem Alltag – Schlaf, Umgang mit Stress, Ernährung. Wie stark sich damit tatsächlich etwas verändern lässt, hängt aber sehr vom Einzelfall ab, und eine schnelle Antwort gibt es hier selten. Genau das ist einer der Gründe, warum ich Frauen in meiner Beratung individuell begleite, statt pauschale Empfehlungen auszusprechen.

Warum fühlt sich „dein Wert ist normal“ manchmal falsch an?

Ein häufiger Grund: Viele Hormonwerte gelten im Labor als „normal“, solange sie irgendwo innerhalb eines sehr breiten Referenzbereichs liegen, ohne dass dabei dein individueller Ausgangswert, dein Alter oder das Verhältnis mehrerer Hormone zueinander berücksichtigt wird. Das macht deine Beschwerdeschilderung nicht weniger ernst zu nehmen – im Gegenteil, sie ist oft der wichtigere Hinweis als die reine Zahl.

Sind pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel eine Alternative?

Zu einzelnen pflanzlichen Stoffen gibt es unterschiedlich gute Datenlage, und pauschal lässt sich das nicht beantworten. Wichtig ist mir vor allem: Auch pflanzliche Präparate wirken auf denselben Hormonhaushalt, den wir hier besprochen haben, und sollten deshalb nie ohne Rücksprache mit deiner Ärztin eingenommen werden, besonders wenn bereits andere Medikamente oder eine Hormonersatztherapie im Spiel sind.

Ab welchem Alter lohnt es sich, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Weil Testosteron und, etwas später, Progesteron schon deutlich vor den eigentlichen Wechseljahren nachlassen können, lohnt sich ein Grundverständnis für diese Zusammenhänge oft schon Ende zwanzig, spätestens Mitte dreißig – nicht, um sich frühzeitig Sorgen zu machen, sondern um spätere Veränderungen leichter einordnen zu können.

Betrifft dieses Thema nur Frauen in den Wechseljahren oder auch bei Kinderwunsch?

Nein. Die hier beschriebenen Hormone wirken das ganze Frauenleben über, unabhängig davon, ob gerade ein Kinderwunsch besteht oder die Wechseljahre näher rücken. Schlaf, Stimmung, Haut, Knochen, Belastbarkeit – all das ist in jedem Lebensalter betroffen, auch wenn die Wechseljahre die Phase sind, in der diese Zusammenhänge am sichtbarsten werden.

Fachliche Grundlage meiner Arbeit

Was du auf dieser Seite liest, ist keine Sammlung loser Beobachtungen, sondern das Fundament meiner tatsächlichen Arbeitsweise: Meine Hormonberatung baut auf einer Hormonspeichelanalyse auf – einem Selbsttest, den du bequem zu Hause durchführst und der anschließend mit einem medizinischen Kommentar einer Laborärztin ausgewertet wird.

Die Laborärztin liefert die medizinische Auswertung deiner Werte, ich übersetze diese Ergebnisse anschließend gemeinsam mit dir in ein Verständnis für deinen Alltag – was diese Werte für deinen Schlaf, deine Stimmung, deinen Zyklus bedeuten, und welche kleinen, machbaren Schritte sich daraus ableiten lassen.

Gestützt ist das Ganze zusätzlich auf meine Ausbildungen und Qualifikationen als Hormoncoach und psychologische Beraterin. Was diese Seite hier leisten kann, ist die allgemeine Einordnung. Was meine Arbeit nicht ersetzt: eine psychotherapeutische Behandlung oder die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente.

Heike Ferg, Hormoncoach für Wechseljahre und Psyche – Über mich

Fazit

Wenn du bis hierhin gelesen hast, kennst du jetzt die wichtigsten Geschlechtshormone, ihre gemeinsame Herkunft aus Cholesterin, und die Beschwerden, die auftreten, wenn ihr Zusammenspiel gerät. Kein Bluttest, keine Ärztin, kein Fachartikel wird dir jemals ein einzelnes Hormon zeigen können, das „schuld“ ist – dafür ist das Zusammenspiel zu eng verwoben.

Was sich aber ändert, wenn du dieses Zusammenspiel einmal verstanden hast: Du hörst auf, jede Beschwerde einzeln und ratlos zu betrachten, und fängst an, Muster zu erkennen. Genau diese Mustererkennung ist der erste Schritt zu einer Einordnung, die weiterhilft – ob am Ende eine Hormonerstberatung mit Speichelanalyse, eine Anpassung im Alltag oder ein Gespräch mit mir der nächste sinnvolle Schritt ist.

Heike Ferg, Hormoncoach und psychologische Beraterin, im Portrait mit handschriftlichen Notizen zu Hormonen, Psyche und emotionalen Zusammenhängen
Über die Autorin
Ich bin Heike Ferg und schreibe auf diesem Blog über Hormone, Psyche, Stoffwechsel, Wechseljahre und die körperlichen wie emotionalen Zusammenhänge, die viele Frauen bei sich beobachten, aber oft nicht erklärt bekommen. Mehr über meinen Hintergrund und meine Arbeit erfährst du auf meiner Über-mich-Seite

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